Ich werde gerne mal von angehenden Traurednern oder Paaren gefragt: Braucht man das IHK-Zertifikat? Oder was bringt es einem? Und genau diese Frage hat mich bewegt, dazu einen Blogbeitrag zu schreiben.

Wie fing alles an?

Ich habe mir in den Kopf gesetzt, den Weg als Traurednerin professionell anzugehen. Denn schließlich bin ich in einem Land aufgewachsen, in dem für alles einen “Zettel” braucht. Es fing bei mir mit dem Führerschein und der Hochschulreife an. Dann folgte das Diplom-Zertifikat, ein Modulzertifikat der Fernuniversität, einen Segelschein, ein Zertifikat als Reiki Meister, ein Sprechfunkzeugnis, diverse Arbeitszeugnisse, Seminarzeugnisse. (Und das sind nur die, die mir “mal ebenso” eingefallen sind.)

Mit anderen Worten: Wenn ich etwas mache, möchte ich es richtig machen und auch etwas in den Händen halten. Oder wie mein Opa immer sagte: “Man muss der Sache auf den Grund gehen. Nur wenn du dich auskennst, wirst du was.” Nun ja, man könnte darüber streiten, ob mein Opa heutzutage mit seiner Moralvorstellung noch gut in dieser Welt leben könnte, aber das ist hier nicht das Thema.

Ich startete also meine Recherche im Netz. Was gibt es für Möglichkeiten, sich ausbilden zu lassen, wenn man sich als freie Traurednerin aufstellen möchte? Ok, ich bin es durch meine bisherige Tätigkeit als Key Account Manager, Kreuzfahrtbegleiterin, die viel auf der Bühne gestanden hat, als Gästeführerin und Moderatorin gewöhnt vor Menschen zu stehen und zu reden. Ich habe schon frühzeitig bei Familienfeiern immer wieder Reden schwingen dürfen, obwohl ich nie danach gefragt habe. “Mach mal!”

Fahrt nach Berlin – Die Vorbereitung

Kurzum: Nach einer mehrtägigen Recherche entschied ich mich für die Traurednerschule, heute Agentur Hochzeitsmacher. Sie machten für mich einen kompetenten Eindruck, weil beide Trainerinnen (Jennifer Krawehl und Claudia Jähnke) schon lange als Redner aber auch als Hochzeitsplaner in der Branche tätig waren. Und ich ließ mal wieder meinen Bauch sprechen. Das Angebot war groß in Deutschland, aber mein Bauch leitet mich, wie sich herausstellte, genau richtig – nach Berlin.

Ich fuhr also für ein 2-tägiges Seminar (Kompakt-Seminar) in die Hauptstadt. Meine Gedanken: “Mal schauen, was kommt.” Der Erstkontakt mit Jennifer Krawehl war schon großartig und verlief unkompliziert. In Berlin lernte ich zwei warmherzige und sehr erfahrene Trainerinnen und einige interessierte Anwärterinnen kennen. Es waren richtungsweisende Stunden, die wir in den Seminarräumen in Berlin-Spandau verbrachten. Und eins stand für mich danach fest: Genau das will ich und noch viel mehr! Ich habe also nicht nur eine Einführung von zwei Hochzeitsprofis bekommen, sondern auch einen genauen Plan, wie ich mich als Traurednerin etabliere.

Ich habe mit Hilfe meiner kreativen Seele Jennifer Kurth meine Homepage aufgestellt, Visitenkarten und Flyer gedruckt, habe erste Gespräche geführt und recht schnell einige Paare für mich begeistert. Das Gefühl: The sky is the limit! Denn ich fühlte mich super gut vorbereitet durch das Kompaktseminar und ich wusste, dass ich unbedingt Lebensgeschichten schreiben möchte. Die Zusammenarbeit mit den Paaren war jetzt schon für mich ein erfüllter Wunsch. Ich liebe die Liebe zwischen zwei Menschen und ich liebe es diese beiden Menschen zu begleiten.

Somit war es unausweichlich, dass ich vier Monate später für das Folgeseminar (Experten-Seminar) wieder in die Hauptstadt fuhr. Diesmal für drei Tage. Endlich konnte ich Claudia und Jennifer, aber auch ein sehr lieb gewonnenes Gesicht, meine Kollegin Carlotta wieder zu sehen. Die Freude war so groß! Wir waren vier Teilnehmerinnen insgesamt. Karina und Jenny lernte ich in den Tagen erst kennen.

In den drei weiteren Tagen des Seminares machten wir den Feinschliff: Alle Teilnehmerinnen hielten nach viel Vorbereitungszeit ihre erste freie Trauung mit einem echten Paar, konnten all unsere Fragen stellen und bekamen mehr als eine Antwort. Das individuelle Coaching machten uns stark für das was kommt und die nächste Hochzeitssaison.

Fahrt nach Düsseldorf – Die IHK Prüfung

Zum krönenden Abschluss sind wir alle mit dem Zug in dem Jahr noch nach Düsseldorf gefahren, um mit Claudia und Jennifer unsere IHK Prüfung abzulegen. Wir kamen aus allen Richtungen: Berlin, München und Hamburg. Der Prüfungstag war so aufregend. Zunächst mussten wir eine schriftliche Prüfung ablegen. Die Themen waren vielfältig: zur Selbstständigkeit, zur Datenschutzverordnung, zur Rechnungslegung, zum Marketing, zum Schreiben und zur Zeremonie selbst. Nach der Auswertung wurde uns der weitere Plan gegeben. Jeder von uns bekam eine Uhrzeit, in der die mündliche Prüfung erfolgen sollte. Das Warten erschien ewig. Aber dann hielten wir nacheinander unsere Rede vor dem Komitee und bekamen danach das Feedback. Bestanden!

Butter bei die Fische – Was hat es mir gebracht?

Fakt ist, dass das IHK Zertifikat eine freiwillige Entscheidung für jede/n Trauredner/in ist. Jeder könnte sich auch Trauredner/in nennen, ohne eine Ausbildung vorzuweisen. Und genau das hat mich bewegt die Ausbildung und das IHK Zertifikat zu machen. Wer sich ohne jegliche Vorkenntnis bereit fühlt, vor einem großen Publikum zu sprechen, die Trauzeremonie von A bis Z durchzuplanen, inspirierende Gespräche mit seinen Paaren zu führen, eine kreative Rede zu schreiben und zu halten, der kann das sicherlich machen. Aber bedenkt, dass es der wichtigste Tag im Leben des Brautpaares ist, der für immer in Erinnerungen bleibt. Es ist dieser eine Tag, in dem alles perfekt laufen soll. Es gibt i.d.R. keine Möglichkeit, ihn zu wiederholen, es sei denn man feiert ein gewisses Jubiläum. Daher muss es im hier und jetzt funktionieren. Auf dem Schiff haben wir immer gesagt: There is no return.

Und anfangs fragte mich auch innere Stimme: “Du hast schon so viel geschafft. Brauchst du das wirklich?”

Natürlich kann ich nur für mich sprechen: Ja! Ich bin so froh, diesen Weg gegangen zu sein. Einen Weg mit zwei tollen Trainerinnen, Coaches, IHK Experten und Herzensmenschen. Es ist nicht nur ein IHK Zertifikat, das jetzt in meinem Büro hängt, es ist viel mehr. Die Ausbildung hat mir Struktur gegeben, wie ich mich aufstelle, hat mir gezeigt, was wichtig in diesem Job ist. Und sie hat mir ein Netzwerk geschenkt und ganz viele tolle Menschen beschert, die ich nun in meinem Leben habe. Denn in der Hochzeitsbranche geht es um die Liebe zweier Menschen.

Und wenn ihr euch fragt, was für ein kurioses Bild in diesem Blogbeitrag ist, dann kann ich nur sagen, das sind die Menschen, die ich in diesem Betrag genannt habe. Die Personen, die Menschen lieben, ihr Herz am rechten Fleck haben und für die Liebe anderer alles geben.

Danke, liebe Jennifer, liebe Claudia, für eure Inspirationen und euren Wegweiser und danke, liebe Carlotta für unseren immer wieder ehrlichen Austausch und den gemeinsamen Weg von Anfang an. Mein Dank geht auch an die liebe Karina und die liebe Jenny für die gemeinsame, sehr lustige Zeit in Berlin und Düsseldorf und unseren regelmäßigen Austausch.

Und nun reicht es auch mit dankbar sein. Aber das hat die Tätigkeit als Traurednerin auch irgendwie mit sich gebracht. Ich bin so dankbar, diese Berufung gefunden zu haben und ich freue mich auf die neue Saison, die hoffentlich bald beginnt.