„Willst du meine Trauzeugin sein?“

So wurde ich z.B. am Flughafen gefragt, als ich die frisch Verlobten Tanja und Jörg abgeholt habe. Es ist eine echte Ehre, wenn man diese Frage von seiner Freundin oder seinem Freund hört.

Trauzeugen – muss oder kann?

In Deutschland gibt es seit einigen Jahr die Regel, dass man vor dem Standesamt keine Trauzeugen mehr benötigt, um den Bund der Ehe zu schließen. Es dürfen aber maximal zwei Trauzeugen an der Seite des Paares sein. Auch in der evangelischen Kirche sind Trauzeugen kein Muss mehr. Anders ist es bei der katholischen Kirche. Hier müssen zwei Treuzeugen unterschreiben. Nach Absprache mit dem Pfarrer bis zu vier Unterschriften möglich.

Aber in der freien Trauung liegt es ganz bei euch. Wenn ihr euch z.B. nicht entscheiden könnt, wer an eurer Seite am wichtigen Tag im Leben stehen soll, dann könnt ihr auch mehrere Trauzeugen oder Brautjungfern ernennen. Und in meinen Trauungen ermögliche ich euch, eine Trau-Urkunde mit allen zu unterschrieben.

Aber auf was sollten sich die Trauzeugen vorbereiten?

Das sollte unbedingt vorab mit Braut und Bräutigam geklärt werden. Was erwarten beide von ihren Trauzeugen? Während manche eine helfende Hand während der gesamten Vorbereitungszeit benötigen, brauchen andere bei wichtigen Entscheidungen nur einen Rat.

Tschüss altes Leben – Moin Zukunft!

Mittlerweile ist die wichtigste Aufgabe der Trauzeugen die Organisation des Junggesellenabschieds (kurz JGA). Dieser amerikanische Brauch kam schon vor vielen Jahren nach Europa.

Und diese Aufgabe kann sehr zeitintensiv sein, je nachdem wie groß der Freundeskreis ist und die Entscheidung gefällt wird, wie die Braut oder der Bräutigam ihren „letzten Tag in Freiheit“ erleben sollen. Sich vom Paar eine Liste geben zu lassen, wer für diesen Abschied in Frage kommt, ist eine gute Basis der Planung. Auch wenn alles in geheimer Mission erledigt werden soll, ist es ratsam, dass sich die Trauzeugen entweder mit Braut und Bräutigam austauschen, alleine das Finden eines Termins kann aufregend sein. Aber ich kann berichten, dass das Brautpaar über einen gut organisierten und durchgeführten Junggesellenabschied sehr glücklich und dankbar sind. Der Aufwand lohnt sich – happy wife – happy life!

You look beautiful in white!

Als Trauzeugin hilft man der Braut meist bei ihrem Outfit. Die Begleitung beim Brautkleidkauf ist ein magischer Moment. Gerne wird die Brautmutter, manchmal auch die Bräutigamsmutter zur besseren Beratung mitgenommen. Ist das Kleid erst gefunden, steht die Trauzeugin i.d.R. auch beim Herrichten und Halten des Brautkleides während des Hochzeitstags zur Seite. Bei den Herren mag der Kauf eines Anzuges etwas unspektakulärer sein, aber wird immer mehr zum Happening. Manche Bräutigame bevorzugen die Auswahl zusammen mit ihrer Braut.

Am Hochzeitstag

Dabeisein ist alles? Nein! Die Trauzeugen begleiten Braut und Bräutigam zum Styling, Herrichten, Anziehen und vor allem, dass ausreichend Wasser getrunken wird.

Ganz wichtig: Bitte vor der Trauung noch etwas essen, auch wenn der Hunger wahrscheinlich nicht da ist.

Das Halten des Brautstraußes während der Trauung kann zu den Aufgaben gehören, wenn keine andere Lösung gefunden wird. Aber auch die Vorbereitung eines Notfall-Sets mit Kopfschmerztabletten und Pflaster, Taschentücher, einer Ersatz-Strumpfhose und Make-up ist eine große Hilfe.

Wird kein Wedding Planner gebucht, sind die Trauzeugen auch während der Feier Ansprechpartner für Anliegen der Gäste, der Dienstleister wie Location, Catering, DJ und Florist und Lieferanten wie den Konditor.

Spielleiter und Redenschwinger

Die Trauzeugen koordinieren bestenfalls Spiele, Reden und Überraschungseinlagen, die von den Gästen während der Hochzeitsfeier dargeboten werden sollen. Es schadet nicht, das Zeitfenster für ein Überraschungsprogramm vorab etwas großzügiger zu planen, damit kleine Verzögerungen nicht auffallen.

Es ist auch üblich, dass die Trauzeugen ein paar Worte an das Brautpaar und seine Gäste richten. Ein guter Zeitpunkt dafür ist beispielsweise vor dem Essen oder vor dem Brauttanz. Die Rede sollte in jedem Fall gut vorbereitet sein.

Tipp: Schreibt die Rede einfach auf Karteikärtchen, dann kann man bei erhöhter Aufregung auch mal kurz luschern.

Nach der Hochzeit

Offiziell endet der Dienst der Trauzeugen mit dem Ende der Hochzeitsfeier. Aber Trauzeugen werden ja nicht grundlos ernannt. Schon vor der Verlobung haben sich diese als zuverlässige Ansprechpartner bewiesen: ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte, ein guter Rat und ehrliche Freundschaft. Und all das wird das Brautpaar auch weiterhin zu schätzen wissen, auch wenn das Fest vorüber ist.

Beitragsfoto: Lovedia Fotografie, Hamburg