2020 – eine Liebeserklärung

Dieses Jahr ist schon ein sehr besonderes Jahr. Ein Jahr, an das sicher jeder der hier Anwesenden erinnern wird – vor allem an das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes und an AHA + L. (Ein Auszug aus einer meiner Reden!)

Aber nun einmal von Anfang an. Ich liebe das Jahr 2020!

Silvester 2019

Ich lasse einen Meilenstein im Jahr 2019. Zum letzten Mal fahre ich am 31.12.2019 mit meinem Liebsten Dirk als Kollegen im Doppeldeckerbus zusammen – er als Busfahrer, ich als Gästeführerin. Nach vielen Jahren des Kollegendaseins haben wir zumindest diese Geschichte hinter uns gelassen. Am letzten Tag des Jahres treffen wir auf einige bekannte Gesichter und zeigen Ihnen unsere schöne Hansestadt. Das war so schön!

Silvester und Hochzeitscontent?

Zudem sehe ich eine ganz liebe Kollegin aus der Kreuzschifffahrt wieder und sie berichtet, dass sie in 2020 heiraten wird. Ich bekomme quasi einen Auftrag als Traurednerin direkt an unserer Haltestelle am Hauptbahnhof. Was für eine verrückte Begegnung. Zu Hause angekommen begrüßen wir ganz entspannt zu Hause das neue Jahr mit „Dinner for one“. Das Jahr beginnt, das alles verändern soll. 2020!

Januar / Februar 2020

Der Januar und der Februar sind bisher immer schon recht ruhige Monate gewesen. Wenige Gäste sind in der Stadt, die Hochzeiten laufen sich erst warm. Aber ich weiß ja, dass die Saison bald wieder los gehen würde. Viele Touren sind für das Jahr schon gebucht, aber auch 21 Hochzeiten soll ich in diesem Jahr als Traurednerin begleiten. Ich nehme also Anfang des Jahres an einigen Seminaren und Fortbildungen teil, moderiere mit einem guten, alten Bekannten bei TIDE.radio, lerne Paare kennen, plane ihre Trauungen und höre viele, ergreifende Liebesgeschichten. Zudem bin ich als Kreuzfahrtdirektorin im Februar auf dem Rhein zwischen Amsterdam und Köln unterwegs, lerne tolle Leute kennen, habe sehr nette Gäste und treffe auf bekannte Gesichter meiner Kreuzfahrtzeit.

März 2020

Und dann kommt sie – die erste Hochzeit 2020 – am 14. März 2020 im Schloss Reinbek. Das Brautpaar verspricht sich die ewige Liebe, die Gäste sind von weit hergereist, das Ambiente des Schlosses mit Schlosspark ist ein Traum. Auch wenn das Schloss wie ausgestorben war, da es gemäß Aushang „ab dem 16. März 2020 geschlossen bleibt.“ Hinter uns fällt die Tür ins Schloss.

Shutdown 1.0.

Ich denke: „Na ja, das kann ja nicht lange dauern.“ Schließlich bin ich krisenerprobt, habe jahrelang in der Kreuzfahrtbranche im Crises Management gearbeitet. „Es gibt keine Krise, die man nicht geregelt bekommt!“ – Ein altes Sprichwort aus dieser Zeit. Dass das mal zur Frage gestellt wird, wusste man zu dem Zeitpunkt noch nicht.

#krisengibtesnichtnurschlechtesmanagement Mein Liebster muss weiterhin das ganze Jahr auf Abstand ins Büro. Für ihn ändert sich nicht viel. Ich bleibe zu Hause und arbeite von dort aus. Aber ab wann kann ich wieder richtig planen? Diese Frage habe ich bis heute nicht beantwortet bekommen. #ichbleibezuhause #stayathome. Wir machen bei Sonnenschein „Traumreisen“ auf dem Balkon. Mit unserer Starbucks-Tassen aus aller Welt und diverse Kopfbedeckungen stehen wir auf den Balkon und reisen einmal (in Gedanken) um die Welt, ohne Jetlag und teuren Flugkosten. Athen, Quebec, Acapulco, Bangkok, St. Petersburg und Hamburg.

#gedankenreisen Meine alt bekannten Schiffe werden aufgelegt und zeigen sich abgedunkelt in unserem Hafen. Das Schiff, mit dem ich zweimal ums Kap Horn gefahren bin, liegt gefühlt mutterseelenallein, wenn auch mit seinem Schwesterschiff auf der anderen Elbseite. #soschönwardiezeit

April / Mai 2020

Dennoch müssen natürlich die Hochzeiten weiter geplant werden. Ich lege mir ein Konto auf Zoom an, lade die App Skype nach gefühlt ewigen Jahren wieder runter. Meine Paare treffe ich virtuell, aber auch meine Kollegen, Freunde und die Familie.  #wirzoomenjetzt Da die meisten meiner Family im April und Mai Geburtstag haben, fahren wir einen Nachmittag zu den Geburtstagskindern und treffen uns auf Abstand im Garten. Zum Glück ist die ganze Zeit das Wetter sehr gut. Ausnahmsweise arbeiten wir an den Wochenende nicht, somit steht jeden freien Tag ein Ausflug in der eigenen Stadt an. Es geht in Naturschutzgebiete, die man vorher noch gar nicht kannte, an die Elbe, an die Quelle der Alster und manchmal auch einfach nur entlang der sehr gut bekannten Stadtrundfahrtsroute. Wir machen aber auch Erfahrungen als Grenzgänger zu Schleswig-Holstein. Mein geliebter Norden spaltet sich. #zweisamkeit #urlaubindereigenenstadt

Juni 2020

Der Sommer steht vor der Tür und wir bekommen ein Wohnungsangebot, das wir nicht ausschlagen können. Eine größere Wohnung zum fast gleichen Preis, mit eigenem Büro, komplett saniert, in Hamburg, aber ein Stückchen weiter gen Westen ins Grüne. Sollen wir das zu Corona-Zeiten machen? Klar. #umzugsplanung Derweil verkaufe ich viel auf eBay Kleinanzeigen, alles was einfach nicht mehr notwendig ist. Starbuckstassen, Lampen, DVD Recorder, Klamotten, CD Player. Rucki zucki ist fast alles weg. #ebayverkauf Am Abend gibt es spontane Partys auf dem Hinterhof in Ottensen. Mit dem Eimer am Seil bekommen wir von den Nachbarn unter uns Wein und Bier. Die Nachbarn sorgen auch für eine Lichtorgel und Musik. Total Corona-konform wird das Leben, der Sommer, die alte Nachbarschaft gefeiert: Jeder auf seinem Balkon oder seiner Terrasse. Zum Abschied aus der alten Hood findet eine Grillparty auf Abstand statt und wir hoffen auf baldiges Wiedersehen nach Corona. #wirbleibenzuhause

Juli 2020

Der Umzug nach Alt-Osdorf von Ottensen ist sehr stressig. Zum Glück hat man richtig gute Freunde und Familienmitglieder, die extra anreisen und uns helfen, dass wir uns schnell einleben können. Ich bekomme mein eigenes Büro. Meiner Kreativität sind in Zeiten wie dieser keine Grenzen mehr gesetzt. Man lernt die Umgebung kennen. Der Loki-Schmidt-Garten und die Elbe sind ganz nah. Alles glänzt. #allesneu

Mein Ehrenamt

Als Ehrenamtliche des ASB Wünschewagens darf ich zum ersten Mal einen kranken Fahrgast begleiten, der einmal noch an seine Elbe nach Blankenese möchte, da wo er früher immer baden war, ein Fischbrötchen essen, einmal auf die Plaza der Elbphilharmonie, einmal in die Imam-Ali-Moschee, bevor es nicht mehr geht. „Sie wissen so viel, von ihnen kann ich noch so viel lernen“, ein berührendes Feedback von einem älteren Herrn, der weiß, dass er nicht mehr so lange auf dieser Erde leben wird. Das war ein Tag der absoluten Erfüllung und Wertschätzung. #asbwünschewagen #letztewünschewagen

August 2020

Ich arbeite neue Touren mit meinen Kollegen aus, wir bieten vom Gästeführerverein Hamburg Guides Touren durch den eigenen Stadtteil an. Der August lässt einen wiederaufleben. Am 1.8. habe ich meine erst Trauung nach dem Shutdown, anders als einst geplant, aber wunderschön im eigenen Garten des Paares. Der Duft des Jahres liegt in der Luft! – Desinfektionsmittel! Es wird wieder richtig gearbeitet. 3 Hochzeiten, mehrere Rundgänge, ein mehrtägiges Event in die Vieren- und Marschlande mit meiner lieben Kollegin und Ohlsdorf und der Alsterlauf stehen auf dem Programm. Natürlich alles nach einem unschönen Coronatest.

#wirdürfenwieder Ebenfalls im August geht es in den Urlaub. An die Weser zur Familie, an die Nordsee, um wieder nach Hause nach Hamburg (Insel Neuwerk) durchs Watt zu laufen. Wat mutt – dat mutt! Ich als gebürtige Bremerin zeigen meinem Liebsten, geborener Hamburger, dass es einen Weg durchs Wasser nach Hamburg gibt. Kannte er nicht! 😊 Unsere Heimat ist so schön! #wattfüranfänger Schiffe kommen – Schiffe gehen…

September 2020

Im September darf ich zweimal zwei tolle Menschen trauen. Einmal im traumhaften Sachsenwald und einmal an der Ostsee in Markgrafenheide. Ich war beseelt. AIDA Momente liegen in der Luft. #nordischgetraut #dieliebestirbtnie Mit meiner Mutter versuche ich nach Jahren mal wieder zusammen ein paar Tage gemeinsam zu entspannen. Es geht nach Ostfriesland – Greetsiel. Ein Ort für klasse Touren, aber auch mit viel Wind. Wir walken und genießen örtlichen Fisch. #ostfiesenwitze #auszeit Zurück in Hamburg bin ich viel unterwegs mit dem Rad und genieße den Spätsommer, bereite meine Reden vor, die noch anstehen. Sogar eine Tour nach Berlin steht auch noch auf dem Zettel. Ich darf liebe Kolleginnen endlich mal wiedersehen und bin zur Büroeröffnung eingeladen. Es ist wundervoll warm. Und die Hauptstadt ist bekanntlich immer eine Reise wert. Wenn man denn darf. #radtour #summerinthecity

Oktober 2020

Im Oktober soll zweimal „JA“ gesagt werden. Ein liebes Paar, das die komplette Feier von Hamburg nach Stralsund verlegt hat, darf es auch und sie haben den perfektesten Tag in ihrem bisherigen Leben. Das andere Paar muss einen Tag vor der Trauung und Feier alles absagen, da innerhalb von einer Nacht in ihrem Kreis die Inzidenzen-Werte von unter 25 auf über 60 steigen. Die Enttäuschung ist groß. Sie tun mir so leid. #coronahochzeit In diesem Monat haben wir aber auch ein Styleshoot einer ganz lieben Fotografin in Niedersachsen. Eine tolle Erfahrung mit einem wundervollen Brautpaar. Man fühlt sich so normal umgeben von vielen netten Menschen, die hungrig sind, darauf zu arbeiten. #styleshoot

November 2020

Der November erlaubt es wieder in die Häuser zurück zu kehren. Schuld daran ist nicht der aufkommende Winter. Nein, es sind die Menschen, die sich nicht an Regel halten und meinen, dass ihre individuelle Freiheit vor jedem Gesetz und jeder Vorsichtsmaßnahme steht. Shut Down (light) 2.0. Das Licht geht wieder mal aus auf den Bühnen. #flattenthecurveagain #ohneunswirdesstill Ich nehme mir alle Zeit, die Trauungen 2021 vorzubereiten. Ich treffe mit Maske und auf Abstand meine Paar, freue mich zusammen mit ihnen ihren großen Tag zu planen. Ich backe häufiger Käsekuchen. Wir denken, dass es das nächste Jahr sicherlich besser wird.

Ohne gebuchte Weihnachtsfeiern, die ich sonst gerne in dieser Zeit als Gästeführerin begleite, kann ich mich gar nicht ablenken zu lassen. Ich schreibe fleißig meine Reden, bilde mich weiter als Trauerrednerin und erstelle meine Webpräsenz mit meiner lieben Grafikdesignerin, der ich bisher all meine einzigartigen Webseiten verdanke. #neueherausforderungen #dreamteam #neuesprojekt #nordischverabschiedet

Dezember 2020

Im Dezember wird es gemütlich. Die Lampen in den Fenstern gehen an. Der Nikolaus überrascht uns in diesem Jahr sehr! Unsere neue Hausgemeinschaft hat auf unsere Fußmatte ganz viele leckere Gaben dagelassen. Wow, das habe ich noch nie erlebt. Natürlich hatten wir auch eine Kleinigkeit für alle. Die Tage werden kürzer, meine Spaziergänge länger. Bald ist Weihnachten. Der Plan ist, die Familie in Bremen zu besuchen. Sowohl meine Familie als auch die Familie meines Partner wohnt in Bremen und das heißt, wir spielen mal wieder „Rundreise“. Ob das möglich ist, wird erst kurz vorher entschieden. #wearefamily oder #westayathomeforchristmas? Alles ist sehr besonders, auch noch zum Ende des Jahres. Und da planen wir zu guten Freunden an die Ostsee zu fahren. 2 Haushalte dürfen zur Zeit ja noch auf das neue Jahr hoffen. So ist der Plan. Aber wer weiß das schon, ob es so kommt? Auf 2021! #wirbleibenvernünftig

Fazit 2020:

  • Ich bin dankbar für dieses Jahr und was ich alles lernen durfte.
  • Alle uns lieben Menschen konnten endlich mal ganz in Ruhe zu Hause ihren Geburtstag feiern, ohne zu überlegen, wen man einladen soll.
  • Die Corona-Soforthilfe, die man recht schnell vom Bund bekommt, ist ein Lichtblick, aber auch genauso schnell wieder zurück zu zahlen, wie sie gekommen ist. Wir Solo-Selbstständigen schaffen das schon. Das ist die Schule des Leben.
  • Maske ist ein schickes Fashion-Item bzw. It-Piece geworden. Früher war es der Haarreifen. Aber auch so könnte man eine Maske tragen, stelle ich fest.
  • So saubere Finger hatte man noch nie!
  • Man kennt tolle Menschen, die einen unterstützen und helfen.
  • Zoomen ist eine super Sache. Man kann die Gespräche auch aufzeichnen, wenn man evtl. nach mehreren Stunden eingeschlafen ist und sich später noch einmal anschauen möchte.
  • Zu Corona-Zeiten kann man heiraten und der Tag wird noch besonderer als gedacht.
  • „Mehr Abstand, bitte!“ wird nicht falsch verstanden, wenn man an der Kasse beim Einkaufen sich von seinem Hintermann bedrängt fühlt.
  • Man spart enorm viel Geld, das man nicht verdient hat. Wo soll man es bitte auch ausgeben? Aber zum Sparen braucht man auch verdientes Geld, sonst ist und bleibt das Schwein leer. Ok, man schränkt sich komplett ein und besinnt sich auf das Wesentliche.
  • Wenn man Bewerbung schreibt, um einen Nebenjob zu finden, damit man über die Runden kommt, werden diese gar nicht erst beantwortet. Somit hat man auch gar nicht so viel Papierkram. Praktisch!
  • Es läuft vieles nicht ganz rund im Krisenmanagement unseres Landes, aber wie sagt man im Norden? – Beten scheef hett Gott leev! (Ein bisschen schief hat Gott lieb.)
  • Es ist nicht das Virus Corona, der das eigene Leben bestimmt, sondern man selbst. Auch wenn wir nicht wissen, wie es noch kommen wird, wir haben nur dieses eine Leben und wir haben zu essen und zu trinken. Machen wir das Beste daraus!
  • Gefühlt sind wir ein Jahr zu Hause. Machen Sabbatical. Wir kümmern uns um uns und unsere Liebsten, so gut es geht, und warten darauf, dass die normale „Normalität“ wieder eintrifft.

In diesem Sinne: Ich liebe es! #bleibtgesund #aufeinneues

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Ich bin Martina, freie Traurednerin aus Hamburg, und ich liebe es, Menschen glücklich zu machen und mit meinen Worten bleibende Momente zu schaffen. Als freie Rednerin bin ich bei allen bedeutenden und emotionalen Momenten des Lebens (Kinderwillkommensfeste, Hochzeiten und Abschiede) dabei, begleite sie und freue mich, wenn der Tag zu einem ganz besonderen wird.

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